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Veröffentlicht am 22.02.2016 von Johannes R. Buch

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Deutsche Elektrohochburgen

Immer wieder bringen Künstler neue Ansätze und Ideen in die Elektronische Musik, sei es House, Techno oder Dubstep. Deutschland als Ganzes ist für seine ausgeprägte Szene bekannt, in der DJs die Welt mittels `Maschinenmusik´ erklären. Das landesweite Netzwerk an Labels, Clubs, Plattenläden, Software-Schmieden und Graphikbüros ist in seiner Größe und Vielfalt längst mit dem deutschen Stadttheatersystem vergleichbar, kommt aber ohne Subventionen aus.

Hamburg

In Hamburg ist die Szene der elektronischen Musik tief verwurzelt. Der Golden Pudel Club gehört dabei mit zu den wichtigsten Locations. Produzentin und DJ Helena Hauff legt hier regelmäßig auf. Sie betont in ihren Interviews des Öfteren, dass es in der popkulturellen Tradition liege, immer etwas dagegen zu sein. Sie performt meist in gutsitzenden Hemden – Subversion und Anzugträgerei waren in der Hansestadt nie ein Widerspruch. Ein anderer – DJ Koze, einflussreichste Produzent Hamburgs sorgt mit dadaistischem Humor in seinen Songs für Aufsehen. Mal sind es Störgeräusche oder Stimmen, die unmotivierten Unsinn reden und so den Trackaufbau durcheinander bringen. Sein Titel „XTC“ war einer der größten Clubhits des Jahres.

Berlin

Berlin ist und bleibt die Hauptstadt der elektronischen Musik. Ein wirklicher Überblick ist unmöglich, da hier einfach zu viel los ist. Das Mekka zieht ständig neue Künstler und DJs an, die sich hier einen Namen machen wollen um in den entscheidenden Clubs spielen zu können. Elektro ist der Sound der Stadt und allgegenwärtig, ob nun nachts in den Clubs, morgens beim Bäcker, nachmittags in den Geschäften oder abends in den Bars. Die Musik funktioniert mittlerweile wie Folk, so Nick Höppner und nannte sein Album entsprechend. Mittlerweile ist das Produzieren der Elektro-Musik so einfach wie mit der Gitarre zu spielen, meint der 43-Jährige, der lange Zeit Chef von Berghains Label –Ostgut Tonträger war.

Das wohl erfolgreichste Projekt 2015 war das Label Innvervisions, das einen eigenen Webshop betreibt, eigene Parties schmeißt und ihre eigene Musik veröffentlicht. Dixon wurde im Dezember 2015 von der Internetsite Resident Advisor zum dritten Mal hintereinander zum einflussreichsten DJ der Welt gewählt. Andere ältere Künstler, die weitaus mehr Erfahrung haben aber nicht die Möglichkeit wie Dixon die Welt zu bereisen, haben das Nachsehen.

Dresden

Die Stadt hatte es 2015 nicht leicht. Montag für Montag wurden die Straßen Schauplätze für Pegida-Demonstrationen. Pegida ist eine rechte und islamfeindliche Bürgerbewegung. In Heidenau, einem Vorort Dresdens kam es zu ausländerfeindlichen Ausschreitungen nachdem Deutschland zehntausende Flüchtlinge aufgenommen hatte. Doch interessanterweise kommt eines der besten Labels von hier. Uncanny Valley wurde im Jahr 2010 gegründet und bedeutet so viel wie Tal der Ahnungslosen – die Gegend um Dresden konnte zu DDR-Zeiten kein Westfernsehen empfangen.
Das Label hat längst ein Netzwerk, das in alle Welt reicht. Joel Alter ist der beliebteste Sprößling des Labels im Jahre 2015. Der Göteborger ist mittlerweile auch gut in Berlin angekommen, hat auf seiner Platte „Heart“ alles von Depeche Mode-, Hip-Hop-, Beach Boys- und Minimal Techno-Einflüssen untergebracht.

Jena

Für die Einwohner Jenas ist Elektro mindestens ebenso wichtig wie für die Berliner. Ihr Kassablanca gehört zu den besten Clubs Ostdeutschlands. Um den Plattenladen Fatplastics im Schillergässchen herrscht Wildwuchs – mit mehreren Plattenlabels und Aufnahmestudios. Die Studentenstadt lebt kulturell im Hier und Jetzt. „Energetic“ von Mathias Kaden ist 2015 das große Album aus Jena. Das Album besticht durch Retrohouse, der auch von einem 90er-Album aus New York stammen könnte. Der Künstler ist auch von genau dieser Zeit geprägt. New York in Thüringen geht damals wie heute.

München

Das Label Permanent Vacation hat das Lebensgefühl der Münchner in die Gegenwart getragen. Dazu gehört eine schicke Wohnung, gut bezahlte Arbeit, Skiausflüge und Restaurantbesuche – und das Selbstbild des Bürgertums, welches gerne zu Munich Disco tanzt, dem Sound von Giorgo Moroder. Die Geschichte Münchens ist aber auch von harten Techno-Entwürfen gezeichnet. Marco und Dario Zenker sind deren Vorreiter. Die Brüder brachten im Jahre 2015 die Platte „Immersion“ mit düsteren Bässen und versetzten Drums heraus.

Köln

Kompakt Records ist das einflussreichste deutsche Plattenlabel mit Sitz in Köln. Es besitzt die Coolness eines Labels, welches den Minimalismus der Techno-Kultur in ein schlüssiges künstlerisches und geschäftliches Konzept umwandelte. Das Label verkauft mittlerweile in die ganze Welt. Geführt wird der Betrieb, welches seinen Sitz im belgischen Viertel hat von Wolfgang Voigt – Mitbegründer des Minimals in den 90ern und heute Mogul seines selbst erschafftem Reich aus Pop, Bildender Kunst und Techno. Doch die Kölner Platte des Jahres stammt von David Krasemann alias Dave DK. Eigentlich Berliner und ehemals DJ im legendären Tresor hat der Künstler jetzt Pop Ambient, Minimal Techno und Stolper Funk auf die Platte „Val Maria“ gebracht.

Frankfurt

Im Frankfurter Plattenladen City Music entstand das Wort Techno als Andreas Thomalla Anfang der 80er ein Fach für elektronische Musik danach betitelt. Als Talla 2XLC gilt er als einer der Pioniere der Musik. Nun ist der mittlerweile 53-Jährige dabei das erste Techno-Museum für die Nachwelt zu errichten. Auf 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche in den unteren Ebenen des Frankfurter Hauptbahnhofs soll die Geschichte der elektronischen Musik erzählt werden. U.a. ein Roboter der Band Kraftwerk und der Eingang, der dem Dorian Gray Club nachempfunden ist, sollen für Ambiente sorgen.

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