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Veröffentlicht am 23.06.2015 von nemesis

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Dementi

Die Wave-/Elektro-Szene ist ebenso wenig wie die Metal- oder Rockszene frei von Überraschungen und innovativen Bands. Ebenso wenig von neuen, tiefsinnigen Acts. Dementi sind eine jener Bands, die mit ihrem offiziellen Debut „Zweigefühl“ nicht nur musikalisch sehr genre-übergreifend und mutig ans Werk gehen, sondern auch textlich oft alles andere als Mainstream sind. Dabei bewegen sich die Songs allerdings stets in einem Rahmen, der es einem leicht macht, die Stücke an sich heranzulassen. Eigenwillig, eigenständig und doch einnehmend.

Wer diese Art von Mucke mag, wird an den Jungs kaum vorbeikommen. Nico Amarell, zuständig für die Gitarren, Gesang und die Samples, ist mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden, auch wenn sicher nicht jeder „Zweigefühl“ wirklich kapiert – selbst wenn man darüber geschrieben hat.

„Wer sagt, was sein muß?“

„Schlechte und nicht konstruktive Kritiken waren bisher auch mit dabei, aber damit muß man leben. Die meisten haben aber verstanden, was wir mit unserer Musik sagen wollen und gerade als junge Band müssen wir uns unsere Sporen erst noch verdienen, das ist uns ganz klar. Wir müssen die Leute auf Dauer überzeugen und besonders der Live-Sektor ist dabei enorm wichtig. Bei Konzerten bekommen die Leute ein richtiges Brett von uns, zumal die Musik dann auch härter ist. Einige Journalisten haben sich auf die Fahne geschrieben, daß düstere, harte Musik so und so klingen muß und kaum hört man sich nicht an wie eine der drei Lieblingsbands, wird man verrissen. Schade nur, wenn das dann auch mit persönlichen Beleidigungen einhergeht. Manche versuchen sich eben, durch solche Kritiken zu profilieren.“

Entertainment und Respekt auf Kriegsfuß?

Als eine der wohl bekanntesten Beispiele für Ruhm durch Lästern ist Stefan Raab. „Der gute Mann wurde auch zum Großteil dadurch bekannt, daß er andere kaputt und sich über sie lustig gemacht hat. Manche Kommentare, die unter die Gürtellinie gehen, wenn man beim Lesen eines Reviews spürt, wie sich der Schreiber wohl an seinem eigenen Witz auf Kosten der Musiker aufgegeilt hat, können eine Band sehr wohl verletzen.“

Die Besinnung macht´s – auch für einen selbst

Doch die Schreiberlinge, die sich von solchen Worten vielleicht angesprochen fühlen sollten, werden sich bei diesen Zeilen wohl nur denken ‚Weicheier’. Wobei sich aber die Frage stellt, ob jenen Leutchen durch ihr subjektives Denken in einem Falle wie Dementi nicht eher was verloren geht. Die eigentlichen Verlierer sind doch im Grunde immer die, die nicht denken und sehen. „Unsere Songs sollen tiefer gehen. Wenn ich mir eine Scheibe zum ersten Mal anhöre, urteile ich auch nicht gleich, was schlecht und was gut ist. Ich höre die gesamte Mucke und versuche sie in erster Instanz mal zu verstehen, bevor ich mir ein Urteil anmaße. Ich kann nur raten, beim Hören einer CD nicht nur von einem Punkt auszugehen, sondern innerlich auch mal einen Schritt zurückzugehen und das Gesamte zu betrachten.“ Vielleicht mögen Nicos Worte für manche ungewöhnlich klingen, doch macht das durchaus Sinn. Dadurch bekommt man auch wieder die Ruhe, etwas wirklich zu beurteilen und zu erfassen.

Achtung und Respekt auch für Kunst

„Musik ist eine Art Dienstleistung, daher ist eine persönliche Meinung in einer CD-Kritik durchaus okay, sie sollte aber auch als solche klar erkennbar sein und nicht mit der objektiven Seite des Reviews verschwimmen. Mir liegt zudem der Gehalt der Texte sehr am Herzen, sie stehen auf der gleichen Stufe wie die Musik und verfolgen schon den Plan, zum Mitdenken anzuregen. Ich finde es schade, daß viele Menschen ihre Gefühle verstecken oder damit nicht umgehen können. Jedes Gefühl ist stets mit zwei Menschen, zwei Lebewesen verbunden, daher muß man auch lernen, Gefühle zu teilen. Und vielleicht können unsere Texte dabei helfen, neue Wege mit Emotionen und anderen Menschen umzugehen zu finden. Man muß alle Gefühle miteinander teilen. Morgen kann alles vorbei sein, bis dahin sollte man alles, das möglich ist, erlebt haben. So zumindest denke ich. Und was bringt es, ein Gefühl für sich zu behalten, mit dem andere zwar konfrontiert sind, das sie mangels Erklärung aber nicht wirklich verstehen können. Viele sehen eine Schwäche darin, Emotionen zu zeigen, was oft auch viel mit der Erziehung zu tun hat.“

Kaputte Seelen all around?

Traurig, daß es immer noch solche Fälle gibt. Wieviele psychische Krüppel dabei mitunter herauskommen, ist ja schon lange kein Geheimnis mehr. „Wagt man es aber, diese ‚Schwächen’ doch zuzulassen, geht man oft gestärkt aus der jeweiligen Situation hervor. Die Welt ist manchmal so kalt. Ich selbst bin kein Party-Mensch – nach dem Motto ‚Saufen und Vergessen’. Ich denke viel nach, manchmal sicher auch zu viel“, sagt´s und schmunzelt. Tja, solche Leute soll es auch geben. „Selbst über Menschen, über die ich nicht nachdenken sollte, mache ich mir einen Kopf. Mit meiner Einstellung stoße ich nicht selten auf einiges Unverständnis, doch allein eine Sache: Warum soll ich feiern, wenn mir nicht danach ist? Nur weil Freitagabend ist? Man geht abends weg, weil es ein fester Bestandteil des Lebens ist, ob es einem an diesem Tag etwas gibt oder nicht. Und am Ende fragt man sich doch nur, warum zu Hause alleine ist.“

photocredit: https://www.facebook.com/pages/Dementi/158734120827641?sk=photos_stream

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